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Ausblendung
– Anerkennung – Dekonstruktion. Möglichkeiten und
Risiken pädagogischer Umgangsweisen mit Andersheit und
Differenz
Melanie Plößer
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Fachhochschule Kiel
Alemania
Die
Frage des gesellschaftlichen Umgangs mit Differenz und
Andersheit gehört zu den wichtigsten Themen politischer
Auseinandersetzung und sozialtheoretischer Reflexion der
Gegenwart. Auch in der deutschsprachigen
Erziehungswissenschaft stellt „Differenz“ und „Andersheit“,
vor allem seit Mitte der 1990er Jahre, ein wichtiges,
gleichwohl, dies gehört zum Thema, unterschiedlich
behandeltes Thema dar. Insbesondere die Migrations- und die Geschlechterforschung
haben die Pädagogik darauf aufmerksam gemacht, dass
Adressaten und Adresssatinnen von Erziehung und Bildung
„unterschiedlich verschieden“ sind. Was aber sind pädagogische
Strategien, um der Andersheit von Menschen im Rahmen von
Bildung und Erziehung gerecht zu werden? Welche Chancen
und Möglichkeiten bergen die jeweiligen pädagogischen
Umgangsweisen mit Differenz und Andersheit? Und welche
Risiken und Ambivalenzen können mit ihnen verbunden sein?
Im Rahmen meines Beitrags sollen prominente Umgangsweisen pädagogischen
Handelns mit Differenz skizziert werden. Dazu werden zunächst
am Beispiel „Soziale Arbeit und Migration“ die
Probleme eines differenzunempfindlichen, d.h. eines
faktische Unterschiede ausblendenden Umgangs mit
Andersheit aufgezeigt. Daran anschließend soll die
bedeutsame Alternative zur Ausblendung von Unterschieden,
nämlich die Umgangsweise der „Anerkennung von Differenz“
in ihren Forderungen, Zielen und Perspektiven erläutert
werden. Die Probleme die mit einem Differenzen
anerkennenden Vorgehen einhergehen, werden anschließenden
aus der Perspektive der Gender Studies reflektiert. Hier bieten sozialkonstruktivistische Differenzverständnisse,
aber vor allem auch dekonstruktive Differenzansätze der Pädagogik
alternative Sichtweisen auf
Umgangsweisen mit Andersheit an, etwa die der
Vervielfältigung, der Kontextualisierung und der
Infragestellung von Differenz und Andersheit.
Da auch die sozialkonstruktivistischen und
dekonstruktiven Strategien mit bestimmten Einseitigkeiten,
Zumutungen und Mängeln verknüpft sind, soll in einem
abschließenden Schritt auf die Unaufhebbarkeit der
Dilemmata im pädagogischen Umgang mit Andersheit
verwiesen werden. Die These: Im Rahmen einer pädagogischen
Beschäftigung mit Andersheit geht es nicht um den
richtigen Umgang mit Differenz. Vielmehr wird eine
kritisch-reflexive Thematisierung von Differenz präferiert,
bei der sich die unterschiedlichen Umgangsweisen nicht
ausschließen, sondern ergänzen können.
Insgesamt will der Beitrag eine Thematisierung des Problemfeldes „Andersheit“
vornehmen, die von dem Interesse getragen ist,
zentrale pädagogische Umgangsweisen mit „Andersheit“
(Ignoranz, Anerkennung, Dekonstruktion) auf ihre
Machtwirkungen zu befragen, also darauf zu betrachten, wo
sie Handlungsspielräume von Menschen potentiell und –
in der pädagogischen Praxis – faktisch beschränken.
Dabei beziehe ich mich vor allem auf Diskurse der
Interkulturellen Pädagogik und
auf die pädagogische Reflexion von Geschlechterverhältnissen,
weil in diesen Feldern die theoretische Beschäftigung mit
der Verschränkung von Differenz und Macht am
differenziertesten entwickelt ist. Gleichwohl steht die
systematische Auffächerung von Problemstellungen, die mit
dem Zusammenhang von „Andersheitz und Pädagogik“
gegeben sind, im Vordergrund
About
Melanie Plößer
Prof. Dr.
Melanie Plößer: Studium der Pädagogik und Psychologie
an der Universität Bielefeld, Langjährige praktische Tätigkeiten
in der Jugendarbeit und in der Drogenhilfe, von 1998 bis
2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG
"Diagnose und Beratung" der Fakultät für Pädagogik
der Universität Bielefeld, seit 2007 Professorin für
Theorien und Konzepte der Sozialen Arbeit am Fachbereich
Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel,
derzeitige Arbeitsschwerpunkte:
Umgang mit Differenz und Vielfalt in der Pädagogik
und der Sozialen Arbeit, Dekonstruktive Ansätze,
Theorien und Konzepte der Gender- und
Queerforschung
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